Ein greifbares Gefühl in der Gesellschaft – Choreograf Morgan Reid über «Neid»

Neid, Selbstsucht und Missgunst: der Wunsch, das zu besitzen – sei es materiell oder nichtmateriell – was jemand anderem gehört und es der anderen Person nicht zu gönnen. Morgan Reid bewarb sich mit einem Konzept zu den Folgen des Neids und stellt sich hier auf unserem Blog vor:

Morgan Reid

WER BIN ICH?

Ich bin ein kanadisch-Schweizer Choreograf, Tänzer, Komponist und Gittarist. Ich mache Ashtanga Yoga und meine Leidenschaft sind Live-Peformances.

EIN STIL, DEN ICH BEWUNDERE:

Auch wenn ich viele Stile studiert und in modernen, zeitgenössischen und neo-klassizistischen Werken getanzt habe, interessieren mich doch hauptsächlich Bewegungsstudien und die Arbeit mit dem individuellen Ausdruck der Tänzer, um neue Elemente eines extrem körperlichen Ausdrucks zu entdecken.

CHOREOGRAFEN, DIE ICH BEWUNDERE:

Ich habe schon immer Hofesh Shechter geliebt, zum einen für sein energetisches und rhythmisches Tanzen, zum anderen für seinen liberalen Gebrauch von Metal Musik in seinen Werken. Ich liebe auch Alex Ekmans Arbeit, sie ist sehr geistreich und das Timing ist ohnegleichen. Ich schätze auch Jo Stromgren, seine Werke sind unglaublich lustig und auch wenn seine Arbeiten ausgesprochen körperlich sind, akzentuieren sie seine Zusammenstellung und überzeugende Dramaturgie.

WARUM ICH DIESE SÜNDE GEWÄHLT HABE, UM MICH ZU BEWERBEN:

Neid ist etwas Universales, vor allem in unserer heutigen egozentrischen Gesellschaft. Wir bekommen gesagt, dass es immer erstrebenswert ist, etwas zu wollen. Ich glaube, das ist ein greifbares Gefühl in unseren Hierarchien.

MEIN HAUPTFOKUS MEINER ARBEIT IN BEZUG AUF MEINE SÜNDE …

Ich wollte die persönlich gelebten Gefühle von Neid unserer Tänzer benutzen: In manchen Fällen waren das einfach Geschichten, die wichtig für sie waren, in anderen der Neid, den sie empfunden haben. Das hat dem Werk nochmal eine zusätzliche Ebene verliehen.

Die Gedanken der Tänzer zu hören, ihre Intonation und rhythmische Sprachmuster als Basis zu verwenden [Aufnahmen der Stimmen der Tänzer bilden ein Soundscape], hat die Choreografie zu einer sehr intimen Arbeit gemacht, was in einem so kurzen Probenprozess eine Herausforderung darstellte.

DIE SIEBEN TODSÜNDEN SIND FÜR MICH:

Ich glaube, die sieben Todsünden werden bis zu einem gewissen Punkt immer relevant sein. Es sind essentielle, menschliche Moralkonzepte. Aber ich glaube auch, dass wir  uns Freiheiten in unserer Wahrnehmung der Sünden nehmen können: Sind sie noch immer etwas, das wir vermeiden sollten, sollte der Genuss dieser Emotionen noch immer ein Tabu sein? Wir sollten Neid als ein Gefühl akzeptieren und es uns zunutze machen. Neid kann uns unser tiefstes Verlangen zeigen, kann uns helfen unsere Motivationen zu verstehen und, wie viele der Todsünden, kann er ein Urverlangen sein, das nicht ignoriert werden sollte, wenn es uns überfällt.

MIT DER TANZKOMPANIE ST.GALLEN ZU ARBEITEN WAR …

… ein wunderbares Erlebnis und ich bin wirklich dankbar, dass jede/r Tänzer/in etwas unterschiedliches zum Werk beitragen konnte. Manche von ihnen haben auch sehr persönliche Gedanken zum Thema geteilt und das war sehr aufregend für uns!

WAS ICH NOCH SAGEN WOLLTE:

Ich kann es nicht erwarten, diesen «sündigen» Abend in voller Länge zu erleben!

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