Wut, Gewalt und Schmerz – Choreograf Joshua Monten über «Jähzorn»

Jähzorn, Wut oder Zorn bezeichnet jene Todsünde, die sich in heftigem Ärger, unkontrollierten, aggressiven Handlungen oder Worten äussert, denen eine Kränkung vorausgeht, eine als ungerecht empfundene oder falsche Behandlung. Joshua Monten, ein amerikanischer Tänzer und Choreograf, bewarb sich mit einem Konzept zu dieser Sünde. Im folgenden Steckbrief stellt er sich vor:

Joshua

WER BIN ICH ?

Ich bin ein amerikanischer Choreograf. Ich bin Pazifist. Aber ich liebe es, Wut, Kämpfe und Gewalt auf der Bühne zu inszenieren.

EIN STIL, DEN ICH ZEIGEN WILL:

Ich entdeckte das Tanztheater, als ich, nachdem ich meine Tanzausbildung in den USA abgeschlossen hatte, nach Europa umzog. Dieser Stil hat meine Arbeit als Choreograf sehr inspiriert. Jähzorn gebraucht eine sehr übliche Methode des Tanztheaters: Choreografie aus alltäglichen Bewegungen und Emotionen zu kreieren.

CHOREOGRAFEN, DIE ICH BEWUNDERE:

Die frühen Arbeiten von Sidi Larbi Cherkaoui haben mir die Schönheit gezeigt, die in der Kreation einer genau strukturierten Choreografie von alltäglichen Bewegungen liegt.  Seitdem folge ich seinem Vorbild. In Jähzorn wollte ich auch Lucinda Childs eine Hommage erweisen, die häufig eine einzige Bewegung hunderte Male in einem Werk wiederholt – ihr gnadenloser Gebrauch von Wiederholungen macht es den Zuschauern möglich, den Kern dieser Bewegung zu erkennen. Ich habe versucht ihrem Beispiel zu folgen und Schläge und Hiebe statt neoklassischen jetés und pas de bourrée zu verwenden.

WARUM ICH DIESE SÜNDE GEWÄHLT HABE, UM MICH ZU BEWERBEN:

Ich bin ein netter Typ. Ich schlage oder ohrfeige niemanden (zumindest nicht ohne ihre Erlaubnis). Ich versuche mein bestes, Gefühle wie Wut oder Frustration unter Kontrolle zu halten. Aber es bereitet mir unglaubliches Vergnügen solche Emotionen auf der Bühne dargestellt zu sehen. Ich finde es aufregend Kämpfe und Gewalt auf der Bühne zu sehen, auch wenn ich weiss, dass sie nicht „echt“ sind … oder vielleicht gerade weil ich weiss, dass sie nicht „echt“ sind. Ich wollte ein Tanzstück kreieren, das nur aus Wut, Gewalt und Schmerz besteht – und meine Begeisterung an diesen Dingen mit dem Publikum teilen.

DIE SIEBEN TODSÜNDEN SIND FÜR MICH:

Die katholische Vorstellung der Sünde – Taten, die dem Willen Gottes wiedersprechen und die zu einer Bestrafung nach dem Tod führen – ist für mich persönlich nicht wirklich relevant. Allerdings sind die moralischen Prinzipien für mich wichtig. Ich versuche, so gut es geht, Wut, Völlerei, Gier etc. zu vermeiden. Ich glaube dies ist Teil meiner moralischen Prägung durch meine nicht sehr gläubige Familie.

Doch: Theater ist nicht der Alltag. Ich liebe es, Menschen in Filmen und auf der Bühne Dinge tun zu sehen, die ich mir selbst im Alltag nicht erlaube. „Verherrlichung von Gewalt“ ist ein Verbrechen an manchen Orten (so wie in Deutschland), zugleich ist es aber auch sehr vergnüglich und etwas, das in Tarantino-Filmen, Videospielen und Gangsterrap immer wieder inszeniert wird.

Ich habe durchaus gemischte Gefühle gegenüber dem, was ich in Jähzorn präsentiere. In einer gewissen Weise ist es unmoralisch. Aber es hat auch einen stark läuternden Effekt und ermöglicht den Zuschauern etwas mitzuerleben, das sie im wirklichen Leben nicht tun würden.

MIT DER TANZKOMPANIE ST.GALLEN ZU ARBEITEN WAR …

… noch besser als ich es erwartet hatte! Ich war wirklich überrascht zu sehen, mit wie viel Hingabe mein Material umgesetzt wurde. Ich hatte mehr Widerstand erwartet – aber alle waren sehr offen, den Nervenkitzel (und die Gefahr) von Gewalt auf der Bühne zu entdecken. Trotz ein paar blauer Flecken, wunden Händen und einer blutigen Lippe gab niemand auf. (Ein Insidertip: Die Gewalt in dieser Produktion ist nicht echt, daher tut sie auch nicht wirklich weh. Was jedoch wirklich Schmerzen verursacht, sind die Sound Effects: in die Hände zu klatschen oder die eigene Brust unzählige Male zu schlagen, so laut wie möglich … das hinterlässt blaue Flecken!)

WAS ICH NOCH SAGEN WOLLTE:

Eine grosse Inspiration für dieses Werk waren all die Kampfszenen in dem Film Eine unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug, den ich als Kind geliebt habe. Vor allem die Pfadfinderinnenschlacht: https://www.youtube.com/watch?v=m9BSLm53Qnc

 

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