Nach einem berauschenden Premierenabend folgen hier die ersten Pressestimmen zur Oper Annas Maske.

Tages-Anzeiger

Es ist […] keine anbiedernde Partitur, aber dennoch eine zugängliche. Zwar stellten ihn das Genre der Oper und die Dauer von 90 Minuten vor neue Herausforderungen; aber Hefti ist sie mit jenen Mitteln angegangen, die ihm schon viele Preise und noch mehr Kompositionsaufträge eingetragen haben. Mit einer selbstbewusst zeitgenössischen Tonsprache also, die aber auch einem nicht auf Avantgarde geeichten Publikum Orientierungsmöglichkeiten bietet: ein melodisches Zitat eben, eine Liebes-Chiffre oder eine unüberhörbare Wortausdeutung. Zum vollständigen Artikel

NZZ am Sonntag

Selten hat man eine Opern-Uraufführung gesehen und so viel verstanden: vom Text, von der Handlung und von der Regie. Und da hinein legte sich die Musik von David Philip Hefti. Er charakterisiert das Geschehen geradezu vom Orchester aus, Dirigent Otto Tausk ist sein famoser verlängerter Arm: flirrend, brachial, majestätisch, ironisch, zitierend, stimmungsmalend, Kontrapunkte setzend. Heftis Orchester-Ausdrucksmittel sind vielfältig. Bisweilen ist die Musik des 42-jährigen Schweizer Komponisten einfach nur wunderschön.

Süddeutsche

Unter der Leitung des Dirigenten Otto Tausk entsteht in St. Gallen daraus ein feines, oft pointillistisch gefügtes Gewebe. Die gute Durchhörbarkeit hilft auch den Sängern, die nie forcieren müssen. Trotz der klassisch avantgardistischen Klangsprache geht es Hefti immer auch um Expressivität, um einen den Hörer unmittelbar ansprechenden Ausdruck. Er liebt kräftige Kontraste und verschmäht bei Gelegenheit auch die intensive Kantilene nicht. Seine Musik ist der steigernden Verdichtung fähig und kann furiosen Drive entwickeln. […] Von Sulzer stammt auch das Libretto für die Oper, das man in der an guten Libretti armen Uraufführungslandschaft als Glücksfall bezeichnen darf. Sulzer benötigt nur wenige, oft bereits musikalisch rhythmisierte Worte, um die Szenen dramatisch zuzuspitzen, so dass für die Komposition genügend Raum bleibt.

Südostschweiz

Weniger auf «Carmen», Blut und Leidenschaft rekurriert auch die Inszenierung von Mirella Weingarten, die auch für die Ausstattung eine bildnerisch artifizielle Form- und Motivsprache fand. Sie pflegt ein starkes Moment von Abstraktion nur schon durch die Verdoppelung der Hauptfigur durch eine Tänzerin, ein Part, den Tanzchefin Beate Vollack, gleich selbst übernahm. […] Auch an der Spitze des Orchesters stand mit Otto Tausk ein souveräner Könner, bei dem Heftis Partitur bestens aufgehoben war.

Ostschweiz am Sonntag

So muss zeitgenössische Oper sein: anspruchsvoll, komplex, fordernd – und dabei sinnlich, kurzweilig und packend wie ein Thriller. Zum vollständigen Artikel

Neue Zürcher Zeitung

Die Entscheidung, die Rolle der Anna – wie Carmen – als Mezzosopran anzulegen, trägt viel zur Vielschichtigkeit der Hauptfigur bei, die obendrein von der Choreografin und Tänzerin Beate Vollack szenisch verdoppelt wird. Die fabelhafte Maria Riccarda Wesseling verfügt ebenso über verführerisch runde Töne im tiefen Register wie über luftig und verführerisch trällernde in der Höhe. Zum vollständigen Artikel

St.Galler Tagblatt

David Philip Hefti hat eine komplexe, anspruchsvolle und doch sinnliche Partitur geschrieben, die in der ersten Hälfte den Sängern fast kammermusikalisch diskret viel Raum lässt. Es ist das Filigrane, es ist die Klarheit in Heftis Musiksprache, welche die Handlung geheimnisvoll in Fluss hält. Diese präzise Emotionalität stets umzusetzen gelingt dem konzentrierten Sinfonieorche. […] Mirella Weingarten inszeniert «Annas Maske» wunderbar durchdacht auf drei fast immer gleichzeitig bespielten Ebenen. […] David Philip Hefti hat mit seiner sehr suggestiven, farbenreichen Musik auch viel Platz geschaffen für intensiven Belcanto. Er fordert von den Gesangssolisten eine Emotionalität, die aber klar ziseliert erscheinen muss. Das erreicht Maria Riccarda Wesseling mit der erwähnten lyrischen Kraft und ihrer sehr geschmeidigen Stimmführung. Und das erreicht Sheida Damghani als Pauline mit kraftvoller Virtuosität auch in den schweren Höhenlagen. Daniel Brenna als Aloys Obrist begeistert mit einer stimmlichen Direktheit und einer erstaunlichen Stringenz, mit der er den Liebeswahn des Anna-Verehrers spielt. Nik Kevin Koch als Albin Swoboda bildet dazu mit wunderbar schlank geführter Stimme den überzeugenden zweiten Liebhaber von Anna. Zum vollständigen Artikel