Heute von David Philip Hefti, Komponist der Oper Annas Maske

Nicht genug, dass unsere Künstler gerade eine Uraufführung auf die Beine stellen, nein, sie müssen auch noch jede Menge Fragen beantworten. Diesmal sind es ganz besondere, denn es handelt sich um Zitate aus dem Opernlibretto von Carmen. Lest hier die nicht immer ganz ernst gemeinten Antworten!

Wer da?

Ich bin’s, Philip, der Komponist, manchmal auch David genannt – abhängig davon, wie gut man mich kennt.

Was tust du hier?

Ich wurde gerufen, habe zwei Jahre lang komponiert, gelitten, gelacht, getrunken, gejubelt, geflucht, vor Glück geweint, geschwitzt, meinen Beruf geliebt und gehasst, meine Frau in den Wahnsinn getrieben, zehn Kilo verloren… Und nun kann ich die unmittelbar bevorstehende Premiere kaum erwarten!

Was willst du?

Ich möchte das Publikum ansprechen, mit meiner Musik berühren. Die Menschen sollen begeistert oder, wenn es denn unbedingt sein muss, auch voller Ablehnung sei. Bloss mit einer lauwarmen, gleichgültigen, desinteressierten Reaktion kann ich schwerlich umgehen. Ich möchte eine Illusion erzeugen, in die man für eine kurze Zeit vor der verrückten Wirklichkeit fliehen kann – ganz im Wissen darum, dass die Welt in Annas Maske auch ziemlich verrückt ist! Zudem möchte ich die Zuhörer durch die Musik zu Gedanken animieren, auf die sie ohne nicht gekommen wären. Diese Stimulation geschieht aber niemals vordergründig mit der Brechstange sondern immer zart im Subtext der Musik. Vielleicht löst sie sogar einen Gedanken aus, dessen Umsetzung in die Tat die Welt etwas verbessert? Ganz schön utopisch, nicht?

Wozu das alles?

Diese Frage stelle ich mir ständig. Eine Möglichkeit wäre die Resignation. Allerdings kann ich gar nicht anders, als täglich mit Elan weiterzumachen, einen Beitrag an die Gesellschaft in Form von Musik zu leisten: zu kommunizieren, Missstände aufzuzeigen aber auch Menschen zu beflügeln und zu Besonderem anzutreiben. Die Macht der Kunst und insbesondere der Musik ist enorm, da sie mitten ins Herz treffen und viel mehr auslösen kann als leeres Gerede. Die Kultur ist die Basis unseres Seins – natürlich sind Essen und Trinken auch ziemlich wichtig! Was unterscheidet uns denn von einer anderen Spezies? Es sind nicht in erster Linie Wirtschaft, Industrie und Politik sondern die Kultur im weitesten Sinn (z.B. eine Umgangskultur), wozu auch die Kunst gehört. Ohne Kunst sind wir arm(selig)!

Was soll aus mir werden?

Ein hoffentlich jung gebliebener alter Mann, dem es vergönnt ist, sich bis zu seinem Ende damit zu beschäftigen, was ihn am meisten beglückt: Musik!

Ihr seid aus der Gegend?

Hier habe ich das Licht der Welt erblickt, bin aber inzwischen ganz schön rumgekommen. Sogar bis nach Zürich!

Nun, Neuigkeiten?

In meinem Leben gibt es täglich Neuigkeiten – das macht es ja so schön!

Solltest du etwa eifersüchtig sein?

Warum? Wurde etwa noch ein anderer Komponist angefragt…?

Bist du der Teufel?

Aus Sicht der Interpreten im Moment des ersten Blickes in die Partitur: ganz bestimmt! Erfahrungsgemäss verändert sich dieses Bild aber sehr schnell.

Würdest du mich vielleicht töten?

Die Gedanken kann man nicht steuern.

Das ist doch nicht dein letztes Wort?

Natürlich nicht, denn das letzte Wort hat immer meine Frau – denkt sie jedenfalls…